12. Februar 2021

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In der Nacht hat es geschneit. Als ich am Morgen auf dem Parkplatz vor der Pilgerhütte mein Auto abstellte, zeigt das Thermometer sechs Grad minus an. «Seit Jahren hatten wir das hier oben auf St. Chrischona nicht. Und wenn einmal Schnee kam, dann blieb er nur einen Tag lang liegen», so sagte es mir eine Mitarbeiterin beim Mittagessen.

Der Schnee liegt nun schon seit Tagen. Unter erschwerten Bedingungen arbeiten die Männer vom Rohbau weiter. Manchmal habe ich sie schon beneidet: Sie können am Ende des Tages sehen, was durch ihrer Hände Arbeit entstanden ist. Manchmal wünschte ich, dass ich das bei meiner Arbeit auch so sehen könnte. Aber heute beneide ich sie nicht. Um zwölf Uhr verlassen sie die schneebedeckte Baustelle und gehen in Richtung eines Bauwagens. Bisher habe ich diesem Wagen keine Beachtung geschenkt, aber in diesen Tagen ist es anders. Er ist der einzige Ort, an dem sie sich aufwärmen können, die schwer gewordene nasse Jacke ablegen, sich stärken, austauschen und wieder Kraft schöpfen für die Arbeit. Dieser Bauwagen ist nicht nur ein Wagen, sondern die wärmende «Homebase» im Winter auf der Baustelle.
Ich stampfe durch den Schnee vom Mutterhaus zur Pilgerhütte und mein Blick gleitet noch einmal zu jenem Bauwagen. Ja, denke ich, dafür wollen wir uns hier einsetzen, dass dieser Wohnpark mit allem was dazu gehört, zu einer «Homebase» für Menschen wird, einem Ort, an dem man Schweres ablegen, sich Körper und Seele erholen können, an dem Menschen Kraft schöpfen für die Aufgaben, die vor ihnen liegen.  

Armin Graf

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